Fotoblogs

Interview mit Jörn Daberkow

Ich habe ein Interview geführt mit Jörn Daberkow, Blogger vom Hamburger-Fotoblog.de und Herausgeber vom iBook Hamburg – Außergewöhnlich. Ich finde seine Bilder aus Hamburg einfach klasse und das iBook habe ich nun zum Anlass genommen, Jörn ein paar Fragen zu dem Projekt zu stellen.

Marcel: Hallo Jörn,
ich freue mich, dass ich heute ein Interview mit dir über deine Hamburger Fotos führen darf. Stell dich doch einmal kurz vor, wer bist du, wie alt bist du, wo kommst du her, wo gehst du hin, seit wann fotografierst du schon?

Jörn: Inzwischen bin ich 53 Jahre auf dieser Welt. Geboren wurde ich im Oktober 1960 im Tabea-Krankenhaus in Blankenese. Die Elbvororte waren immer mein zu Hause – egal, ob nun Blankenese, oder (wie seit rund 30 Jahren) Rissen. Ich fotografiere seit Januar 2006 und habe direkt angefangen, Hamburg abzulichten. Von damals gibt es allerdings keine Bilder mehr, weil sie mir irgendwann nicht mehr gefallen haben. Wo ich hingehe? Das wüsste ich auch gern …

Marcel: Auf deinem Blog Hamburger-Fotoblog.de sind mir deine tollen Aufnahmen von Hamburg jedes Mal sehr positiv aufgefallen. Als Hamburger findet man sich schnell wieder, stellt sich dann aber bei einigen Bildern immer wieder die Frage, von wo aus du die Fotos gemacht hast. Oftmals scheinen die Blickwinkel nicht von öffentlich zugänglichen Plätzen gemacht worden zu sein. Ist das richtig? Was waren die aufregendsten Orte zum Fotografieren für das Projekt und wie bist du an die Genehmigungen heran gekommen?

Jörn: Ich habe tatsächlich viele Sondergenehmigungen bekommen, musste aber vor allem zu Beginn sehr darum kämpfen. Inzwischen ist es einen Hauch einfacher geworden, wobei „einfacher“ bisweilen auch 2 Jahre dauern kann. Fast exakt diese Zeit musste ich warten, bis ich ein bestimmtes Kraftwerk ablichten durfte. Manchmal klappen Dinge überraschend schnell, zumeist muss ich mindestens 1 Jahr auf eine Genehmigung warten.

Der für mich aufregendste Ort? Darf ich auch drei (in einem) nennen? Die Hamburger Justizvollzugsanstalten. Dort zu fotografieren war immer spannend und beklemmend.

Zu den Genehmigungen nur so viel: Das ist fast immer eine sehr große Herausforderung. Man braucht wirklich richtig viel Geduld und sehr (!) gute Gründe. Nur mal so, oder weil man Lust dazu hat, klappt auf keinen Fall.

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Marcel: Apropos Genehmigungen: Wie alle wissen ja, wie langwierig so etwas sein kann. Wie lange arbeitest du schon an dem Projekt?

Jörn: Seit Januar 2006. Da ist das Hamburger Fotoblog auf Basis einer einfachen HTML-Seite online gegangen.

Marcel: War es für dich von Anfang an ein Projekt oder hat es erst mit der Zeit an Projektcharakter gewonnen? Hat dich irgendwann der Ehrgeiz gepackt?

Jörn: Zu Beginn hatte ich keine besonderen Pläne damit. Ich wollte einfach Bilder veröffentlichen. Irgendwann genügte es mir nicht mehr, immer den Klövensteen, oder das Elbufer zu fotografieren. Als mir das klar wurde, hat sich das Blog substanziell verändert.

Marcel: Gibt es auch Orte, die du gerne fotografiert hättest aber keine Genehmigungen erhalten hast? Welche wären noch deine Top Orte gewesen, die dann leider doch nichts wurden?

Jörn: Bislang habe ich nur zweimal ein Nein bekommen. Das waren Airbus und die Hamburger S-Bahn.

Marcel: Nun hast du das Projekt ja sogar in einem iBook speziell für Mac bzw. iPads im Apple Store veröffentlicht. Wie viele Bilder und Seiten enthält das Buch und was kostet es?

Jörn: Erwischt … Ich habe keine Ahnung, wie viele Bilder in meinem iBook enthalten sind. Es wäre aber auch müßig, die zu zählen, denn es sollen immer mehr werden. Aktuell habe ich das erste Update fertig und sobald ich die Freigabe des Unternehmens habe, stelle ich die neue Serie als kostenloses Update in den Store. So soll es auch in Zukunft laufen. Das iBook kostet 7,99 Euro. Bislang sind folgende Serien enthalten:

  1. Dampfer
  2. Untersuchungshaftanstalt Hamburg
  3. Fischbeker Heide
  4. Altonaer Hafenbahntunnel
  5. Golfclub Falkenstein
  6. Kraftwerk HafenCity
  7. Klövensteen
  8. Hamburger Unterwelten
  9. Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel (Santa Fu)
  10. Hayns Park
  11. Köhlbrandbrücke
  12. Falkensteiner Ufer
  13. HafenCity
  14. Rathaus
  15. Container Terminal Altenwerder
  16. Blankenese Treppenviertel
  17. Jüdischer Friedhof (Ohlsdorf)
  18. MVA Stellinger Moor
  19. Sturmflut-Sperrwerk Billwerder Bucht
  20. Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand

Link zum Buch: Apple iTunes Store: Jörn Daberkow – “Hamburg – Außergewöhnlich”

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Marcel: Nun mal Hand aufs Herz: Wie schwer war es, das Buch in einem geeigneten Format zu erstellen und im Apple Store zu veröffentlichen? Ist es wirklich so schwierig und langatmig, wie man teilweise hört oder war es letztendlich doch nicht so das Problem? Wie war der grobe Ablauf?

Jörn: Ich habe das „Buch“ mit iBooks Author erstellt. Der Part ist total leicht. Jeder könnte damit ein schickes iBook erstellen. Das Drumherum ist erheblich schwieriger. Man muss nicht nur einen (virtuellen) amerikanischen Behördengang unternehmen, sondern auch verstehen, was Apple beim Veröffentlichen von einem will. Wer gut Englisch spricht, ist klar im Vorteil. Mein Englisch ist ein besseres Urlaubsenglisch und das reicht bei weitem nicht aus. Manchmal war ich wirklich unsagbar wütend, aber inzwischen hat sich das gelegt. Da ich nun weiß, wie es läuft arbeite bereits an einem zweiten iBook über eine andere Gegend in Deutschland.

Der grobe Ablauf? Schauen, welche Nummer mal aus den USA benötigt, das entsprechende Formular ausgefüllt an die richtige Nummer faxen, warten, bis man per Briefpost die gewünschte Nummer erhält, das iBook per iBooks Author nach iTunes Producer exportieren und dem Dialog folgen. Dabei müssen diverse Seiten ausgefüllt werden. Wenn man alles durchlaufen hat und keine Fragen offen geblieben sind, kann man sein iBook an Apple versenden. Dort wird es begutachtet und ggf. freigegeben. Ich habe keine Nachricht dazu bekommen, sondern beinahe täglich geguckt, ob es inzwischen online ist – das war es dann irgendwann auch.

Wer ein iBook produziert und hochgeladen hat, sollte regelmäßig seinen Account unter iTunes Connect checken, denn es könnte sein, dass er ein Ticket hat, das gefixt werden muss. Ein Mail verschickt Apple hier nicht.

Ich habe länger darüber nachgedacht, ob ich auf moodway eine Anleitung veröffentliche, mich aber dagegen entschieden. Ich bin froh, dass ich das abschließen konnte. Zudem finde ich es wichtig, dass Apple einen deutschsprachigen Support einrichtet. Den gibt es derzeit nicht.

Marcel: Du bloggst ja auch noch auf anderen Plattformen. Ich kannte noch die Seite farbwinkel.com, die du nun aber in deinen Blog moodway.de integriert hast, wenn ich das richtig gesehen habe.

Jörn: Das stimmt.

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Marcel: Gibt es noch weitere Seiten, auf denen du bloggst? Wie lange bloggst du bereits?

Jörn: So genau weiß ich das gar nicht mehr. Meine erstes Blog war Strange City (Open Fantasy). Da habe ich eine Geschichte ins Web gestellt, deren Kapitel von diversen Musikern vertont wurden. Die Geschichte ist inzwischen sogar fertig, aber ich bin kein Romanschreiber. Ich hatte diese Idee, konnte sie mit meiner Schreibe aber nicht so verwirklichen, dass ich damit zufrieden gewesen wäre. Vielleicht liegen mir Kurzgeschichten mehr. Wer mal eine lesen möchte: http://www.moodway.de/du-wirst-gleich-sterben/

Marcel: Moodway ist ja auch ein Teil des Bloggernetzwerkes alpendeich.de. Erzähl uns mehr von dem Netzwerk. Worum geht es hier? Welche Vorteile hat es für Blogger und wie kann man auch beitreten? Wie individuell bleibt einem “sein” Blog dann noch?

Jörn: alpendeich soll ein Netzwerk befreundeter Blogger sein. Nicht alle kennen sich persönlich, aber man ließt sich jeden Tag, da alle Beiträge automatisch über die Startseite angeteasert werden. Thematisch ist die Plattform für fast alle Themen offen. Allerdings soll es kein totaler „Gemischtwarenladen“ werden. Der Vorteil für ein alpendeich-Blog ist, dass man nicht bei null anfängt, sondern sofort alle Leser der alpendeich-Plattform für seine Beiträge bekommt. Jedes Blog kann hier seine eigene Domain führen. So gesehen ist das Blog dann unter einer komplett eigenständigen Anschrift erreichbar. Aber es gibt auch die Möglichkeit, sein Blog per Subdomain anzusprechen. Das wäre dann z. B. www.fotopresso.alpendeich.de

Wie man mitmachen kann? Einfach bewerben: http://alpendeich.de/bewerben/ Geld kostet das nicht.

Marcel: Jörn, vielen Dank für das tolle Interview und die Informationen zu deinem Fotoprojekt sowie dem iBook. Ich hoffe, dass viele Leser dein iBook kaufen und ebenfalls begeistert von den Bildern sind. Für die Zukunft wünsche ich dir auch alles Gute und man liest sich ;-)

Jörn: Danke für das Interview und dass ich damit von meinem iBook sprechen konnte. Dir auch alles Gute – und ja, wir lesen uns! :-)

Alles Gute! Marcel

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