Rahmendynamik
Der fotografische Blick

Fotografieren lernen: Der Rahmen Teil 1

Der erste Teil der Serie Fotografieren lernen: Der fotografische Blick handelt vom Rahmen. Der Rahmen begrenzt alles, was wir auf dem Bild sehen. Er kann willkürlich oder glücklich gewählt werden, man kann sich aber auch schon vor dem Auslösen genaue Gedanken machen, was alles in den Rahmen fallen soll, wie der Rahmen gefüllt werden soll oder welche Elemente eventuell einen Rahmen bilden können.

Den Rahmen bildet zunächst einmal das gesamte Sucherbild, das wir durch die Kamera sehen können. Hier ist der natürliche bzw. technisch gegebene Rahmen das Format, das wir aufnehmen. Bei den meisten DSLRs ist das ein 2:3 Format. Innerhalb dieses Rahmens spielt sich die Musik, äh, pardon, das Bild ab. Und genau hier kann man auf verschiedene Dinge achten.

Die Rahmendynamik

Bei Aufnahme eines Motivs kann man im Vorwege bereits auf die Rahmendynamik achten. Was aber genau bedeutet das eigentlich? Man kann ein Foto sehr gut abstrahieren in Linien und Formen, versucht man das Gesehen in einer flachen 2D Landschaft mit dem Auge zu erfassen. Achtet man hier schon auf Linie, die dynamisch in bestimmte Richtungen laufen, z.B. zu einem Fluchtpunkt zusammen verlaufen oder auch gegen einander laufen und Spannungen aufbauen, kann man dem Bild mehr Dynamik verleihen. Das hält den Betrachter im Bild fest und führt das Auge den Linien entlang.

Aufgabe: 6 Fotos aufnehmen, bei denen bewusst auf die Linienrichtung und Dynamik innerhalb des gegebenen Rahmens geachtet wird.

Den Rahmen beschneiden

Michael Freeman erläutert in seinem Buch des weiteren noch verschiedene Rahmenformate, ich belasse es jedoch bei dem 2:3 Format, mit dem ich auch fotografieren. Ein weiterer Teil ist das Anstückeln, insbesondere die Panoramafotografie. Auch hierauf möchte ich aktuell nicht eingehen. Stattdessen möchte ich das viel öfter genutzte Werkzeug des Beschneidens beschreiben.

Oftmals nehmen wir Fotos auf und sehen etwas ganz bestimmtes. In einiges Situationen gibt es aber nicht so viel Zeit, dass wir alle Elemente im Sucher erkennen und optimal platzieren können. Zu Hause am Rechner erkennen wir dann ganz verschiedene Dinge und müssen das Bild noch mal Beschneiden.

Es kann jedoch auch sein, dass man durch einen Beschnitt dem Bild eine ganz andere Intention gibt. Auch das kann man zu Hause in der Nachbearbeitung gut ausprobieren. Nimmt man ein Foto mit viel Umgebung auf, möchte man eventuell die Einsamkeit oder die interessante Umgebung zeigen. Beschneide ich das gleiche Foto jedoch auf ein bestimmtes Element, nehme ich es aus der Umgebung heraus und beim Betrachter kann sich ein ganz anderes Bild der Situation ergeben. Es kommt darauf an, was ich dem Betrachter mit meinem Bild sagen und zeigen möchte.

Aufgabe: 1 Foto aufnehmen mit viel Umgebung, anschließend 3 verschiedene Beschnittvarianten ausprobieren und die unterschiedliche Bildaussage analysieren.

Den Rahmen füllen

Eine weitere Frage, die man sich beim Fotografieren stellen sollte, ist die Frage nach der Umgebung, wie oben schon angesprochen. Wie möchte ich den Rahmen füllen? Auf was möchte ich das Auge des Betrachters hinweisen?

Ich kann ein Bild von einem Haus in seiner Umgebung machen, dann zeige ich ein Haus mit bestimmten Elementen drum herum. Gibt es eine tolle Anordnung der Bäume? Ist der Himmel besonders interessant? Steht das Gebäude mit der Umgebung in einem besonders tollen EInklang?

Wenn ich das gleiche Haus nun aber ohne Umgebung rahmenfüllend aufnehme, möchte ich, dass der Betrachter sich das Haus genauer anschaut. Sind die Steine interessant, hat es eine bestimmte Form oder gibt es Dinge an dem Haus, das ich dem Betrachter zeigen möchte?

Ich kann aber noch näher heran gehen und zum Beispiel das Küchenfenster so groß fotografieren, dass man das Haus nicht mehr als Ganzes erkennen kann. Hier möchte ich dann, dass der Betracher auf genaue Details achtet, evtl. Personen hinter der Scheibe, eine Kochinsel oder was auch immer.

So entscheidet die Rahmenfüllung letztendlich, ähnlich wie beim Beschnitt, über die Intention des Bildes. Ich zeige entweder ein Haus in einer Umgebung (eher ein Landschaftsfoto), oder detailliert das Haus (eher ein Architekturfoto) oder ganz  bestimmte Details im Haus (eher ein emotionales Foto).

Aufgabe: 4 Bilder fotografieren von dem gleichen Objekt mit immer detaillierteren Rahmenfüllungen.

Die Platzierung im Rahmen

Bei jedem Bild, bei dem das Hauptobjekt nicht den gesamten Rahmen füllt, kann man das Objekt sehr verschieden positionieren. Sobald man die Umgebung mit in das Bild einbezieht, kann man sich auch hier die Frage stellen, was man dem Betrachter zeigen will. Die Platzierung des Hauptobjekts innerhalb der Umgebung kann ganz verschiedene subjektive Intentionen beim Betrachter auslösen.

Ich kann eine Bank z.B. mittig platzieren, ich kann sie hochkant nach oben oder unten stellen, ich kann sie nach links oder rechts stellen. Es ergeben sich immer wieder verschiedene Eindrück, eine andere Dynamik, eine andere Intention auf das Bild. Der Betrachter wird seine kleine Geschichte am Ende des Rahmens weiterspinnen. Als Fotograf kann ich die Richtung bestimmen.

Aufgabe: Fotografiere ein Objekt in seiner Umgebung und platzieren es jeweils an 5 Positionen: Mitte, oben, unten, unten links, unten rechts.

 

Nun haben wir die ersten 4 Teile innerhalb des Kapitels “Der Rahmen” erprobt. Im zweiten Teil geht es dann um drei weitere Aspekte des Rahmens, ehe wir uns dem Kapitel Design-Grundlagen widmen.

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